Jörn Tschirne

Business-Coach & Trainer

Zeit sparen durch Schnell-Lesen

Stapeln sich auf Ihrem Schreibtisch Zeitungsberge oder Fachliteratur, die Sie unbedingt lesen sollten? Wie, Sie finden keine Zeit dazu? Unsere Tipps können helfen...

Sei es im Studium oder Beruf: Die richtigen Informationen aufzunehmen ist nicht immer einfach. Denn die gesuchten Informationen werden Ihnen nicht kurz und kompakt zur Verfügung gestellt, sondern liegen in vielfältiger Form vor: Fernsehen, Radio, Zeitungen, Zeitschriften, Fachzeitschriften, Briefe und das Internet. Wie Sie diese Informationsflut effektiv bewältigen, zeigen wir Ihnen hier.

Sie haben es schon längst geahnt: Die größte Informationsfülle erhalten wir aus den "geschriebenen Medien". Dies bedeutet die Informationsaufnahme erfolgt durch das Lesen. Dass Sie nicht alle Texte lesen können ist selbstverständlich. Viele Informationen lesen zu müssen - wie zum Beispiel zur Vorbereitung auf Prüfungen - ist jedoch unvermeidlich.

Hieraus ergeben sich die beiden Fragestellungen:

Lese ich die richtigen Texte um meine Entscheidungen zu treffen?

Nehme ich die Informationen, die ich mir erlese, in einer angemessenen Zeit auf?

Sich selbst die erste Frage zu beantworten, ist sehr schwierig. Die gute Nachricht lautet jedoch: Die Lesegeschwindigkeit und die Informationsaufnahme zu verbessern ist jedem möglich. Da kann man auch mal das Lesen von überflüssigen Informationen verkraften. Auch hier gilt,  ähnlich wie im Sport: Wir werden nicht alle sensationelle Höchstleistungen erzielen können; deutlich verbessern können wir uns mit entsprechendem Training aber alle.

Nachstehend erläutern wir Ihnen im ersten Schritt Grundlagen des Lesens, damit Sie Ihr derzeitiges Leseverhalten analysieren können. Darauf aufbauend gehen wir auf Teilaspekte des Schnelllesens ein, bevor wir Ihnen die Vorgehensweise beim Schnelllesen im Zusammenhang vorstellen.

Die Lesegeschwindigkeit

Die Lesegeschwindigkeit wird in Wörtern pro Minute angegeben. Deshalb: Nehmen Sie sich einen beliebigen Text der und ermitteln Sie die Anzahl der Wörter. Lesen Sie diesen Text und stoppen Sie hierbei die Zeit. Teilen Sie die Anzahl der Wörter durch die Sekunden. Um die Anzahl der gelesenen Wörter pro Minute zu ermitteln, multiplizieren Sie diesen Wert mit 60.

Damit es ein wenig verständlicher wird, hier eine Beispielrechnung:

Anzahl der Wörter im Text: 600

Anzahl der Sekunden zum Lesen des Textes: 200 Sekunden.

Gelesene Wörter pro Sekunde: 600 Wörter/200 Sekunden= 3 Wörter pro Sekunde

Gelesene Wörter pro Minute: 3 Wörter x 60 = 180 Wörter pro Minute

Wenn Sie eine Größenordnung von etwa 200 Wörtern pro Minute erreicht haben, so gehören Sie zu den durchschnittlichen Lesern. Unter 150 Wörtern eher zu den langsameren Lesern. Bei einer Lesegeschwindigkeit von über 200 Wörtern gratulieren wir Ihnen herzlich – tolle Leistung, pflegen Sie diese Begabung!

Sich selbst beim Lesen beobachten

Die Zielsetzung des Lesens ist unterschiedlich. Lesen Sie ein Buch zum reinen Genuss, so werden Sie meist jedes einzelne Wort lesen und dieses in Ihre Phantasie umsetzen. Einen Werbebrief dagegen überfliegen Sie nur und nehmen einige "Highlights" war.

Meist lesen wir die einzelnen Wörter des Textes und fassen Wortpaare zu Einheiten zusammen. So auch bei dem unten stehenden Beispiel. Mit den Punkten wird verdeutlicht, welche Wörter Sie alleine oder als Wortpaar aufgenommen haben:

Satz:

In vielen Fällen lesen Sie die einzelnen Wörter des Textes .... Augenbewegung:

-- : --------------- :------ :----:--- :---------------------- :--------------:

Sie springen somit von Wort zu Wort oder von Wortpaar zu Wortpaar. Jeder Sprung beinhaltet somit auch eine Unterbrechung des Leseflusses und verlangsamt diesen! Hierin steckt also Potenzial zum „Schnell-Lesen“.

Lesen Sie sich eine Geschichte vor

Beim Lesen hat man die Angewohnheit, sich den Text in Gedanken vorzulesen. Dieses ist vergleichbar mit dem lauten Vorlesen einer Geschichte oder eines Artikels. Sie werden durch das Vorlesen den Text langsamer durchlesen, als Sie es ohne Vorlesen tun könnten. Achtung: Durch diese Vorgehensweise verringern Sie noch einmal Ihre Lesegeschwindigkeit.

Genügend Gehirn-Kapazität?

Das wesentliche Ziel des Schnelllesens ist – im wahrsten Sinne des Wortes - das schnellere Lesen. Das macht jedoch nur Sinn, wenn das aufgenommene Wissen auch verarbeitet werden kann.

Das Gehirn ist es gewohnt, Information in großer Fülle aufzunehmen und zu verarbeiten. Es möchte gefordert werden, um sich nicht zu langweilen. Wenn Sie ein langsamer Leser sind, hat das Gehirn genügend Zeit sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ihnen fallen beispielsweise Flecken am Buch auf, Sie denken nebenbei über andere Dinge nach und stellen manchmal fest, dass Sie das Neugelesene gar nicht richtig verarbeitet haben. Deshalb ist es für alle drei Geschwindigkeitsleser wichtig, dass sie ihr Gehirn fordern, fördern und die eigene Konzentration steigern.

Konzentrationsübung

Finden Sie aus den nachstehenden Buchstaben sieben sinnvolle Substantive heraus:

GNFIEHIQRAZIPEOGDNGZORDBILDUNGONAZTHESEZUEGIHALZKOPORINELASUMBIGAZELMTHIELANSALATIONQUARLOGATAWERTNMULTLOGIKMRSTZLSGATZTJASMINWIRMSTOLPUSIMATIRIEGIARBATBLOCKAWTIPAMELESENSFRIGUMOTACADEMYPLASMNMQTHIZRENA

Substantive sind besonders wichtig zum Erfassen von Texten. In Ihnen liegen die Hauptinformationen. Würde man Ihnen einen Text geben, in dem anstelle der Substantive nur Leerzeichen stehen, so würden Sie den Inhalt des Textes nicht verstehen und nicht einmal erahnen können. Erhalten Sie den gleichen Text nur mit den Substantiven können Sie sich den Inhalt des Textes selbst erlesen. Dieses Verständnis liegt im Übrigen auch dem Aufbau von Mindmaps zugrunde!

Lösung zu der Konzentrationsübung: Bildung, These, Elan, Salat, Wert, Logik, Jasmin, Block, Lesen, Academy

Auf einen Blick erkennen

Die Anzahl der Wörter, die Sie mit einem Blick erkennen und wahrnehmen können, lässt sich durch ein ständiges Training steigern. Lesen Sie diesen Text noch einmal vom Absatzanfang aus und Sie sehen selbst, wie viele Wörter Sie gleichzeitig aufnehmen. Oft sind es nur ein oder zwei Wörter – keine Sorge, dies können Sie auf bis zu acht Wörter steigern.

Mehrere Wörter gleichzeitig lesen

Teilen Sie die Seite eines Buches in drei vertikale, gleich breite Spalten ein – zum Beispiel indem Sie die Spalten mit einem Bleistift in die Seite hineinzeichnen. Halten Sie das Buch 30 cm vor Ihre Augen. Schauen Sie in die Mitte der ersten Spalte und versuchen Sie, alle Wörter mit einem Blick zu erfassen. Springen Sie dann in die Mitte der zweiten Spalte und versuchen Sie auch hier, alle Wörter der Spalte zu erfassen. Im nächsten Schritt springen Sie dann zu der dritten Spalte.

Je nachdem, wie trainiert Ihr Auge ist, werden Sie nach einer gewissen Zeit nur noch zwei Spalten benötigen um die ganze Zeile zu erlesen. Ohne dieses Training benötigen Sie durchschnittlich fünf bis sechs Sprünge. Eine Steigerung also, die sich sehen lassen kann!

Power-Tipps zum Schnelllesen

Begeben Sie sich in eine angenehme Umgebung
Suchen Sie beispielsweise einen ruhigen Raum auf.

Notieren Sie, welche Informationen Sie aufnehmen wollen
Welche Inhalte sind für Sie interessant?

Sortieren der Texte nach Inhalten
Lesen Sie die Texte, die gleiche Informationen enthalten, direkt nacheinander.

Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Textinhalt
Lesen Sie die Überschriften und das Inhaltsverzeichnis.

Nehmen Sie den Text bzw. das Buch zur Hand
Halten Sie das Buch in 30 cm Entfernung.

Texteinteilung und Augenbewegung

Konzentrieren Sie sich auf eine Einteilung des Textes in zwei oder drei Spalten. Springen Sie beim Lesen nun jeweils von Spaltenmitte zu Spaltenmitte um den Text zu erfassen. Sprechen Sie den Text nicht in Gedanken mit.

Aufzeichnung des Textes

Notieren Sie sich den Inhalt des Gelesenen nach der Beendigung des Lesens in kurzer Form. Hierfür eignet sich sehr gut die Mindmap-Form, mit deren Hilfe Sie Themeninhalte kurz, aussagekräftig und gehirngerecht notieren können. Ebenso ermöglicht Mindmapping eine zeitsparende Wiederholung von komplexen Themen.

Zu guter Letzt

Auch beim Schnell-Lesen gilt das Pareto-Prinzip: Wenn Sie 20% des gelesenen Textes behalten, haben Sie bereits 80% der Informationen aufgenommen.

Beachten Sie

Faktoren, wie zum Beispiel Müdigkeit, laute Nebengeräusche oder ähnliches verlangsamen Ihre Lesegeschwindigkeit.

Machen Sie sich Notizen über Ihre Fortschritte!
Viele Verbesserungen kommen schleichend und sind Ihnen selbst nicht unbedingt bewusst. Spornen Sie sich selbst an weiterzumachen!

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