Jörn Tschirne

Business-Coach & Trainer

Die richtigen Netzwerke knüpfen

Dass das Kontakteknüpfen und Kontaktepflegen zu den selbstverständlichen Fähigkeiten gehört, beweisen Sie bereits tagtäglich im Umgang mit Kommilitonen, Freunden oder der Familie. Dennoch liegen berufliche Netzwerke oftmals brach, obwohl die meisten Menschen über mehr und bessere Beziehungen verfügen, als ihnen selbst bewusst ist.

Zu schade, denn beispielsweise werden immer mehr freie Stellen durch die Vermittlung von Bekannten, Freunden und Verwandten besetzt und nicht über die klassische Stellenanzeige in der Tagespresse.

Die Bedeutung von leistungsstarken Netzwerken wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen und vor allem im beruflichen Umfeld nicht mehr wegzudenken sein. Im Nachteil sind nur diejenigen, die sich nicht frühzeitig um ein eigenes Netzwerk bemüht haben. Ein echtes Netzwerk bietet allen Angehörigen Nutzen und funktioniert nach dem Prinzip von Geben und Nehmen.


Warum Netzwerke erfolgreich sind und machen

Die Gründe für den Erfolg der Netzwerke sind vielschichtig. Ein wesentlicher Grund ist, dass das Netzwerken heute technisch sehr gut unterstützt wird und wir unsere „Kontakte“ auch über größte Entfernungen nicht aus den Augen verlieren. Außerdem sind wir ständig auf der Suche nach einem neuen Job, einem neuen Projekt, einem neuen Auftrag und Gleichgesinnten aus Studium oder Freizeit. Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahren war es durchaus üblich, dass man nach der Ausbildung über einen langen Zeitraum in diesem Unternehmen blieb und intern Karriere gemacht hat. Eine gute fachliche Qualifikation wird als gegeben vorausgesetzt und ist deshalb im Wettbewerb um einen neuen Job oder einen neuen Auftrag nicht wirklich als Alleinstellungsmerkmal geeignet. Heute ist jeder, der vorankommen will, darauf angewiesen tragfähige Beziehungen herzustellen. Folglich wird es in Zukunft immer stärker auf die Fähigkeit des Einzelnen ankommen, Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und ein aktives Beziehungsnetz aufzubauen.


Kontakte knüpfen

Sie denken jetzt womöglich, dass Sie noch kein Karrierenetzwerk haben? Irrtum, ab sofort haben Sie eines. Vielleicht ist Ihr Netzwerk bislang klein und arbeitet noch nicht so richtig für Sie. Aber eines ist sicher, auch Sie haben ein Netzwerk. Als (angehender) Networker sollten Sie Spaß daran haben zu kommunizieren, interessante Gespräche zu führen, Kontakte zu vertiefen, aktiv Verbindungen auszubauen und Beziehungen zu pflegen. Natürlich mit dem Hintergrund einer langfristigen „Kooperation“. Nehmen Sie sich die Zeit, machen Sie sich eine Liste Ihrer Kontakte und notieren Sie sich zu verschiedenen Personengruppen die entsprechenden Namen. 

Ein solides, langfristig aktives Netzwerk besteht aus mehreren Komponenten unterschiedlicher Lebensabschnitte und -bereiche und beinhaltet neben Menschen aus dem Privatleben (Nachbarn, Freunde, Verwandte, Schulkameraden, Bekannte aus dem Urlaub, Sport- und Vereinskollegen) auch berufliche Kontakte, die zum Beispiel aus einem Praktikum stammen. Daher ist es von besonderer Bedeutung, dass Sie auch nach Ihrer Zeit im Unternehmen, wenn Sie wieder an der Hochschule sind, weiterhin in Verbindung zu beruflichen Kontakten bleiben. Sei es durch einen kurzen Anruf, postalische Weihnachtsgrüße oder eine Mail und das Zusenden eines interessanten Zeitungsartikels.


Kontakte = soziales Kapital

Der französische Soziologe Paul Bordieux hat die Summe der Beziehungen, über die eine Person verfügt, als soziales Kapital bezeichnet. Und damit hat er vollkommen Recht. Networking ist – so ähnlich wie der Aufbau eines Vermögens – eine Investition in die Zukunft. Bauen Sie Ihr Netzwerk erst auf, wenn Sie es dringend brauchen, ist es meist zu spät. In dieser schwierigen Situation fehlt Ihnen regelmäßig die Zeit, Motivation und Kraft, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu reanimieren.

Auch in punkto Geld kann der wichtige Bezug zum Netzwerk nicht geleugnet werden: Gut ein Drittel der Berufseinsteiger die in den ersten vier Berufsjahren häufig mit der obersten Führungsebene zu tun haben, gehören im Hinblick auf die absolute Einkommenshöhe zu den Top-25 Prozent. Umgekehrt gelangen nur unter 10 Prozent derjenigen mit seltenem Kontakt zur Chefetage in diese Gruppe, so Erfahrungswerte.


Online-Networking

Neben den traditionellen Netzwerken haben sich virtuelle Netzwerke gebildet. Erfahrungsgemäß werden bislang über die bestehenden Online-Netzwerke schwerpunktmäßig bereits existierende Kontakte gepflegt. So sucht man nach alten Schulfreunden oder Studienkollegen und nimmt mit Ihnen über diese Plattformen (wieder) Kontakt auf. Dass über diese Online-Netzwerke völlig neue Kontakte zustande kommen, ist bisher selten.


Tipps für Ihre Sicherheit

Das Internet steht allen offen und hat ein sehr gutes Gedächtnis. Personaler nutzen Online-Netzwerke um dort weitere Informationen über Bewerber zu recherchieren. Gerade die freizeitorientierten Netzwerke eröffnen hier Einblicke, die kein Bewerber in einer Bewerbung und während eines Vorstellungsgespräches zulassen würde. Mittlerweile gibt es Unternehmen, die diese Informationen professionell erfassen und den potentiellen Arbeitgebern zur Verfügung stellen. Unbedachte Meinungsäußerungen oder Fotogalerien mit Bildern von Ihrer letzten Party zeigen unter Umständen nicht nur, dass Sie ein sehr geselliger Typ sind und haben schon so manchen Bewerber ins Hintertreffen geraten lassen.

Bei der Suche nach einem Job sollten Sie sich ohnehin keinesfalls nur auf Ihr virtuelles Netz verlassen. Unabhängig wie gut Ihr Online-Netzwerk funktioniert, dürfen Sie Ihre persönlichen Kontakte nicht vernachlässigen oder aus den Augen verlieren und sollten jede sich bietende Chance für einen persönlichen Kontakt nutzen. Übrigens bieten auch Online-Netzwerke die Möglichkeit zu realen Treffen „von Angesicht zu Angesicht“ im Rahmen von speziellen Veranstaltungen.

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