Jörn Tschirne

Business-Coach & Trainer

Besser bewerben: Warum weniger mehr ist

Wenn Sie sich neu orientieren möchten, dann werden Sie in den meisten Fällen nicht drum herum kommen, sich zu bewerben. Sich zu bewerben bedeutet, für sich zu werben, seine Arbeitskraft bestechend gut anzupreisen und sich mit maßgeschneiderten Bewerbungsunterlagen als der Traumkandidat für den begehrten Job zu präsentieren.

Leider begehen nach wie vor viele Bewerber den Fehler, keine individuellen Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Sie versenden stapelweise Standardbewerbungen mit dem immergleichen Anschreiben und Lebenslauf und wundern sich, dass sie so gut wie nie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. In der Folge machen Horrorgeschichten von hunderten verschickten Bewerbungen und dem dennoch ausbleibenden Erfolg die Runde. Richtig ist: weniger ist mehr – in vielerlei Hinsicht. Das bedeutet: Sparen Sie sich das Porto und den Aufwand für hunderte Bewerbungen. Sie bringen Ihnen nichts. Investieren Sie dagegen Zeit und Gedanken in individuelle Bewerbungsunterlagen. Unterbreiten Sie dem Unternehmen ein maßgeschneidertes Angebot, zu dem es einfach nicht „Nein“ sagen kann. Arbeiten Sie Ihre individuellen Stärken heraus und bringen Sie diese Pluspunkte in Einklang zur ausgeschriebenen Stelle. Merken Sie sich: Es ist vollkommen uninteressant, wenn Sie in Ihrem Anschreiben ausschließlich über Ihre Stärken schreiben und dabei die Bedürfnisse des Unternehmens unerwähnt lassen. Ihre Stärken werden für das Unternehmen erst dann interessant, wenn es diese brauchen kann und Ihre Vorteile zur ausgeschriebenen Stelle passen

Eine bloße Wiederholungsschleife, in der lediglich die Stellenausschreibung abgetippt wird, ist dabei nicht gefragt. Geben Sie die Anforderungen aus der Anzeige mit Ihren eigenen Worten wieder und zeigen Sie, dass Sie diese Anforderungen erfüllen können. Behauptungen nach dem Motto „Ich bin teamfähig und flexibel“ sind dabei jedoch unerwünscht. Diese werden erst dann glaubwürdig, wenn Sie diese auch belegen und somit dokumentieren können. Beschreiben Sie daher, durch welche bisherigen Aufgaben und Tätigkeiten Sie zu dieser Annahme gelangen. Kleiner Tipp: Zählen Sie einmal die Anzahl der „Ich-Formulierungen“ in Ihrem Anschreiben. Die meisten Bewerber neigen dazu, zu viel über sich zu schreiben und das Unternehmen zu vergessen.

Dass weniger mehr ist, zeigt sich auch an einer anderen Stelle: Hüten Sie sich davor, Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf zu benutzen, um Ihre gesamten Fähigkeiten ausführlich zu notieren. Stellen Sie vielmehr diejenigen Fähigkeiten ausführlich dar, die für die angestrebte Position relevant sind und zeigen Sie damit einen passgenauen Schwerpunkt anstatt „von allem ein bisschen“.

Immer mehr Unternehmen suchen nach dem passgenauen Mitarbeiter durch innovative Rekrutierungsmaßnahmen. Neben der klassischen Stellenanzeige werden immer mehr Netzwerke zur Jobvermittlungsstelle: So mancher Stellensuchende findet seine neue Bestimmung daher über Empfehlungen privater oder beruflicher Kontakte, getreu dem Motto „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“ Nicht wenige Unternehmen setzen insbesondere auf Empfehlungen durch die eigenen Mitarbeiter. Kein Wunder, denn gute Leute kennen meist auch gute Leute. Sei es aus Studien- oder Ausbildungszeiten, einer früheren Zusammenarbeit, einem früheren Unternehmen oder aus dem privaten Bereich. Neben den traditionellen Netzwerken haben sich in den letzten Jahren auch viele virtuelle Netzwerke gebildet. Erfahrungsgemäß werden bislang über die bestehenden Online-Netzwerke schwerpunktmäßig bereits existierende Kontakte gepflegt. So sucht man nach alten Schulfreunden oder Studienkollegen und nimmt mit Ihnen über diese Plattformen (wieder) Kontakt auf. Dass über diese Online-Netzwerke neue und profitable Kontakte zustande kommen, ist bislang nur selten zu beobachten. Bedenken Sie: Das Internet steht jedermann offen und hat ein sehr gutes Gedächtnis. Personaler nutzen Online-Netzwerke um dort weitere Informationen über Bewerber zu recherchieren. Gerade die freizeitorientierten Netzwerke eröffnen hier Einblicke, die kein Bewerber in einer Bewerbung und während eines Vorstellungsgespräches zulassen würde. Unbedachte Meinungsäußerungen oder Fotogalerien mit Bildern von Ihrer letzten Party zeigen unter Umständen nicht nur, dass Sie ein sehr geselliger Typ sind – auch hier gilt daher unbedingt: weniger ist mehr!

Besser bewerben mit den richtigen Unterlagen


Wer in eigener Sache wirbt, sollte die formalen Gesetze einer Bewerbung kennen. Der klassische Aufbau einer Bewerbung sieht die folgende Gliederung vor:

• 1 Seite Anschreiben (liegt lose auf oder in der Bewerbungsmappe)

• Lebenslauf - auf der ersten Seite mit Foto (meist 2 Seiten,
  Berufserfahrene haben oft 3 oder 4 Seiten Lebenslauf)

• Zwischenzeugnis oder (wenn Zwischenzeugnis nicht vorhanden)
   selbst erstellte Tätigkeitsbeschreibung oder Referenz

• Arbeitszeugnis des vorherigen Arbeitgebers in Kopie 

• Arbeitszeugnisse der vorvorherigen Arbeitgeber in Kopie 

• Studienabschluss oder Ausbildungsabschluss in Kopie

• Weiterbildungsnachweis (maximal fünf relevante Nachweise) in Kopie

Zusätzlich können Sie Ihre Bewerbungsmappe mit einem Deckblatt ausstatten. Das Deckblatt kann vor oder nach dem Anschreiben platziert werden. Auf dem Deckblatt sind Ihre persönlichen Daten sowie ein Foto zu finden. Auf das Foto im Lebenslauf kann dann dementsprechend verzichtet werden:

• Deckblatt mit Foto und persönlichen Daten

• 1 Seite Anschreiben • Lebenslauf (ohne Foto)

• Arbeitszeugnis des vorherigen Arbeitgebers in Kopie

• Arbeitszeugnisse der vorvorherigen Arbeitgeber in Kopie

• Studienabschluss oder Ausbildungsabschluss in Kopie

• Weiterbildungsnachweis (maximal fünf relevante Nachweise) in Kopie

Wer sich für eine Bewerbung über das Internet entscheidet, der sollte nicht der Versuchung erliegen, „mal schnell“ seine Unterlagen loszuschicken. Zwar ermöglicht das World-Wide-Web, dass man sich zügig mit anderen in Verbindung setzen kann; Sorgfaltspflichten in Bezug auf die eigene Bewerbung bleiben jedoch ebenfalls bestehen. Grundsätzlich ist es schon einmal ein Unterschied, ob Sie sich per E-Mail bewerben oder ob Sie ein Online-Formular auf der Homepage des Unternehmens ausfüllen.

Bewerben per E-Mail

Sie können sich auch per E-Mail in einem Unternehmen bewerben. Entweder, weil das in der Stellenausschreibung so gewünscht ist, oder weil Sie sich initiativ bewerben. Bevor Sie eine E-Mail-Bewerbung verschicken, sollten Sie die folgenden Eckdaten überprüfen:
Verschicken Sie eine E-Mail-Bewerbung nur, wenn das Unternehmen kein Online-Bewerbungs-Formular zur Verfügung stellt. Besteht die Möglichkeit, sich über ein Online-Bewerbungs-Formular zu bewerben, nutzen Sie dieses Angebot statt der E-Mail-Bewerbung.

Wer Sie sich für die Bewerbung per E-Mail entscheiden, schicken Sie Ihre E-Mail an eine persönliche Adresse wie zum Beispiel k.schmidt@firma.de und nicht an eine allgemeine Adresse wie info@unternehmen.de. In der Betreffzeile muss sofort zu erkennen sein, dass es sich um eine Bewerbung handelt.
Ihr E-Mail-Text ist nicht vergleichbar mit dem Anschreiben, sondern wird kürzer gehalten. Im Text enthalten ist die persönliche Anrede und es wird Bezug auf die konkrete Stellenausschreibung genommen oder eine Initiativbewerbung erklärt. Ebenfalls nicht fehlen darf die förmliche Grußformel sowie Ihre Kontaktdaten für die Rückmeldung. Berücksichtigen Sie: Eine E-Mail-Bewerbung ist keine Massen-Mail, sondern muss so detailliert und aussagekräftig sein wie die klassische Bewerbung auf Papier.

Eine korrekte Anrede ist ebenso notwendig wie die Grußformel am Ende. Achten Sie unbedingt auf Rechtschreibung und Grammatik. Tippfehler gelten aber auch hier zu Recht als K.o.-Kriterium.

Bitte beachten Sie bei E-Mail-Bewerbungen, dass die E-Mail nur einen einzigen Anhang haben darf. Ein Personaler hat nämlich verständlicherweise keine Lust, sich durch zehn separate Anhänge von Anschreiben bis Zeugnis zu klicken und dann zu sehen, ob der Bewerber ihm zusagt. Das Ganze wird nämlich auf einem Computerbildschirm sehr unleserlich und unübersichtlich. Das bedeutet für Sie, dass Sie bei einer Bewerbung per E-Mail ein Dokument anhängen, das Ihre gesamte Bewerbungsmappe darstellt. Ihr Anhang sollte dabei die Größe von zwei Megabyte nicht überschreiten. Können Sie daher nicht alle Unterlagen im Anhang berücksichtigen, so schreiben Sie, dass Sie weitere Dokumente auf Wunsch nachreichen können. Achten Sie auf Dateiformate, die üblicherweise problemlos geöffnet werden können (PDF-Format). Verwenden Sie nur ein Foto in hochauflösender Qualität. Wahrscheinlich werden Sie unter anderem (so zum Beispiel bei Zeugnissen und Weiterbildungsnachweisen) mit gescannten Dateien arbeiten. Legen Sie höchsten Wert darauf, dass das Dokument sauber gescannt ist und somit ordentlich wiedergegeben werden kann. Schief, geknickt oder sonst irgendwie in Mitleidenschaft gezogen hinterlässt Ihre Bewerbung einen denkbar schlechten Eindruck.

Bewerben per Online-Formular

Online bewerben Sie sich über ein Formular, dass das Unternehmen auf seiner Homepage zur Verfügung stellt. Oft wird auch der Download eines speziellen Bewerbungs-Tools angeboten. Hier haben Sie weniger Spielraum und müssen die zur Verfügung gestellten Textkästen nutzen: Sie füllen Pflichtfelder online aus, geben Ihre Daten ein und können weitere Dokumente wie einen Lebenslauf anhängen. Wichtig ist, dass Sie auch die vorhandenen Freitext-Felder ausfüllen, um Ihrer Bewerbung eine persönliche Note zu geben.

Bewerben mit der eigenen Homepage

Eine persönliche Bewerbungshomepage zeigt, wie qualifiziert, routiniert und kreativ ein potentieller neuer Mitarbeiter mit diesem Medium arbeitet. Weitere Vorteile sind die schnelle Zugreifbarkeit, die Weiterleitungsmöglichkeit und die geringen Kosten (Material, Versand). In der Praxis stößt diese Bewerbungsform bislang allerdings auf wenig Gegenliebe. Insbesondere die mangelnde Akzeptanz bei den Personalentscheidern ist der größte Nachteil einer Bewerbungshomepage. Personaler stehen ständig unter Zeitdruck und das passwortgeschützte Einloggen und Zurechtfinden auf der Bewerberseite sowie das Prüfen der Inhalte und Informationen erfordert Zeit. Darüber hinaus fehlt auf einer Bewerbungshomepage die individuelle Ansprache. Ein weiteres Negativkriterium ist auch, dass passgenaue Präsentation des Bewerbers in Bezug auf die Anforderungskriterien der neu zu besetzenden Position nicht stattfindet. Wenn, dann fungiert der Link auf Ihre Bewerbungshomepage nur als Ergänzung, er macht die klassische und individuell zugeschnittene Bewerbung jedoch keinesfalls entbehrlich.

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