Jörn Tschirne

Business-Coach & Trainer

Stellenwechsel - Zeit zum Aufbruch

Jeder Arbeitnehmer ist im Laufe seines Berufslebens mit einem Wechsel des Arbeitsplatzes konfrontiert – sei es intern oder extern. Neben dem richtigen Zeitpunkt spielen passende Angebote und persönliche Wünsche eine große Rolle. Wer darüber hinaus in der aktuellen Stelle Erfolge erzielt hat, sollte über berufliche Veränderungen nachdenken.

Ein Stellenwechsel aus freien Stücken tut nicht nur dem Arbeitnehmer gut. Der Arbeitgeber profitiert ebenfalls von einem neuen, motivierten Mitarbeiter! Um erfolgreich zu sein, muss sich ein Unternehmen ständig weiterentwickeln und sich den neuen Anforderungen des Marktes anpassen. Neben der Weiterqualifizierung von Mitarbeitern gehört sowohl das Ausscheiden als auch das Neueinstellen von Personal zu dieser Dynamik. Für den Arbeitnehmer bedeutet ein Wechsel meistens mehr Leistungsanreiz und bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Doch wann ist ein guter Zeitpunkt für den Stellenwechsel?Die richtige Zeit für den Wechsel?

Viele Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass der richtige Zeitpunkt für den Wechsel dann gekommen ist, wenn die Aufgaben und Rahmenbedingungen der bestehenden Stelle routiniert erfüllt werden. Hat man darüber hinaus noch berufliche Erfolge vorzuweisen, steht einer beruflichen Veränderung nichts mehr im Wege. Manche Arbeitgeber erwarten jedoch gerade von einem Bewerber mit Berufserfahrung, dass er auf der Grundlage von vertrauten, routinierten Aufgaben Innovationen entwickelt und neue Projekte umgesetzt hat. Deshalb lässt sich nicht von einem allgemein gültigen Zeitpunkt für den Wechsel sprechen, sondern von unterschiedlichen Beweggründen, die zu einem Stellenwechsel führen können.

Eine Erfrischung gefällig?

Stellenwechsler fühlen sich am neuen Arbeitsplatz oftmals wie „ausgewechselt“: Sie verspüren wieder Lust, mehr Leistung zu bringen und gehen voller Elan an ihre Aufgaben heran. So wirkt der neue Einsatzbereich auf viele Arbeitnehmer erfrischend und mobilisiert neue Kräfte. Kommt ein neuer Mitarbeiter in ein bestehendes Team, findet ein Austausch statt, der den Wissenshorizont jedes Mitarbeiters erweitern kann.

Langjährige Firmenbewohner

Macht Ihnen Ihre aktuelle Tätigkeit (noch) Freude? Wenn ja, ist die mangelnde Motivation zumindest für Sie kein Anlass, zu wechseln. Es gibt jedoch viele Berufstätige, die Ihre Arbeit als monoton und langweilig empfinden und keinen Spaß mehr daran haben. Zu diesem Überdruss gesellt sich häufig noch das Gefühl der Bequemlichkeit: Endlich sind alle Arbeitsvorgänge vertraut, die Strukturen bekannt und ein gewisses Ansehen im Unternehmen erreicht. Man kann es sich in der Firma so richtig bequem machen! Viele Berufstätige harren in dieser Komfortzone aus, ohne dass etwas passiert. Doch einfach nur abwarten birgt die Gefahr, dass Chancen verpasst werden und die eigene Entwicklung nicht vorangetrieben wird.

Motive für den Jobwechsel

Haben Sie Ihre Stelle schon einmal freiwillig gewechselt? Wenn ja, gab es dafür sicherlich einen ganz bestimmten Grund. Befragt man Jobwechsler danach, wird häufig eines der folgenden Motive genannt:

• Unzufriedenheit in Bezug auf das Gehalt

• Keine bzw. unbefriedigende Entwicklungsmöglichkeiten

• Routinetätigkeiten

• Langeweile

• Keine Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln

• Gefühl, unterfordert zu sein

• Schlechtes Betriebsklima

• Konflikte mit dem Chef bzw. Kollegen

• Mobbing


Wunsch nach Veränderung

Bei einem Stellenwechsel ist unbedingt darauf zu achten, ob sich mit dem Wechsel auch Tätigkeitsfeld, Funktionsbereich oder Branche verändert. Wenn ja, fallen Sie unter Umständen in den Status des „Berufsanfängers“ zurück, da Sie im anvisierten Bereich noch keine Erfahrungen gesammelt haben. Der Wettbewerbsvorteil der Berufserfahrung fällt dadurch weg.

Interner Stellenwechsel

Wer grundsätzlich die Möglichkeit hat, intern zu wechseln, kann überprüfen, welche Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens vorhanden sind, bevor ein Firmenwechsel geplant wird. Ein Nachteil für den Bewerber liegt darin, dass die Gehaltserhöhung beim internen Wechsel meist niedriger ausfällt als der Gehaltssprung beim Unternehmenswechsel. Die Vorteile für das Unternehmen liegen auf der Hand: Da der neue Mitarbeiter sein Kompetenzen bereits unter Beweis gestellt hat, verringert sich das Risiko, dass er nicht auf die neue Stelle passt. Darüber hinaus fällt die Probezeit weg und der Aufwand für die Einarbeitung ist geringer.

Haben Sie interessante Möglichkeiten des internen Wechsels ausgelotet? Dann heben Sie Ihre Kompetenzen klar hervor und machen Sie auf sich aufmerksam!

Vom Mitarbeiter verlassen

Scheiden Mitarbeiter aus einem Unternehmen aus, verliert der Betrieb Wissen und Know-how. Gerade Mitarbeiter, die mehrere Jahre im Unternehmen tätig sind, prägen maßgeblich die Firmenkultur und schaffen Werte. Zu diesen Werten gehört zum Beispiel das persönliche Netzwerk, das Mitarbeiter im Laufe der Jahre im Betrieb aufbauen. Dazu zählen Kollegen in anderen Filialen und Ländern genauso wie persönliche Kontakte zu Kunden, Lieferanten und Kooperationspartnern.

Vorsicht vor hoch gekochten Emotionen

Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Ihrem Chef und Ihr Kollege nervt Sie sowieso schon seit langem? Sie denken deshalb: Lieber heute als morgen die Stelle wechseln? Bitte überstürzen Sie nichts! Lassen Sie zunächst einmal Gras über die Angelegenheit wachsen. Entsteht der Wechselwunsch aus einer Laune heraus bzw. aufgrund hoch gekochter Emotionen, besteht die Gefahr, dass bestimmte Konsequenzen, die dieser Entscheidung folgen, übersehen werden. Überlegen Sie zuerst, wie Sie die Situation beim aktuellen Arbeitgeber verbessern könnten. Welche Alternativen gibt es? Mit wem könnten Sie über die Angelegenheit sprechen? Sammeln Sie danach in Ruhe Argumente, die für und gegen einen Stellenwechsel sprechen. Was wollen Sie durch den Firmenwechsel erreichen? Erarbeiten Sie auf der Grundlage dieser Überlegungen eine gezielte Bewerbungsstrategie.

Geheimniskrämer gefragt

Wer mit dem Gedanken spielt, sich beruflich zu verändern, hat neben dem täglichen Job einiges zu tun: Die Recherche nach potenziellen Arbeitgebern und die Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen nimmt nach Feierabend Zeit in Anspruch.

Behalten Sie Ihre "Abwanderungsgedanken" innerhalb der Firma für sich und signalisieren Sie Ihre Wechselbereitschaft nicht zu offenherzig. Denn sollte Ihr Vorhaben durchsickern, machen sich Spekulationen breit, die unangenehme Folgen für Sie und das Arbeitsklima haben könnten. Die Kollegen fragen sich, wer Ihre Aufgaben übernehmen wird und was der Auslöser für Ihren Wechsel sein könnte. Selbst wenn Sie sich definitiv entschieden haben, das Unternehmen zu verlassen und der neue Arbeitsvertrag vielleicht schon unterschrieben ist, sollte innerhalb der Firma keiner davon erfahren. Erst wenn der Chef von Ihren Plänen weiß und die Angelegenheit einen offiziellen Charakter bekommt, können Sie darüber sprechen.

Abschied auf Zeit?

In dieser letzten Phase vor dem Aufbruch sollten Sie eines beherzigen: Bewahren Sie Contenance, auch wenn Ihnen der Abschied vom Unternehmen nicht schwer fällt und Sie im Grunde die verbleibenden Tage zählen. Erinnern Sie an die Anfertigung Ihres Arbeitszeugnisses und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Oftmals ist der Personalverantwortliche dankbar, wenn Sie für ihn die wesentlichen Aufgaben und Tätigkeitsschwerpunkte zusammenfassen. Ein stilvoller Abgang ist auch in Bezug auf Ihre berufliche Zukunft wichtig: Vielleicht ist der aktuelle Arbeitgeber zu einem späteren Zeitpunkt wieder attraktiv! Dann wird man sich gerne an Sie zurück erinnern! Und wie heißt es doch so schön: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Hinterlassen Sie also auf keinen Fall "verbrannte Erde" - unterdrücken Sie die Versuchung, mal allen "richtig die Meinung zu sagen".

Risiko neuer Arbeitgeber

Wer sich bei anderen Unternehmen bewirbt oder ein reizvolles Wechselangebot erhält, ist oft geneigt, schnell zuzuschlagen. Gerade Arbeitnehmer, die so schnell wie möglich wechseln möchten, laufen Gefahr vom Regen in die Traufe zu kommen, wenn das neue Angebot nicht aufmerksam geprüft wird. Bietet der neue Arbeitgeber tatsächlich die Verbesserungen, die Sie suchen? Finden Sie dort jene Entwicklungsmöglichkeiten, die Sie anstreben? Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass Sie sich im Klaren darüber sind, was sich in der neuen Firma im Vergleich zum aktuellen Arbeitgeber ändern sollte.

Auswahlkriterien

Welche Kriterien sind für eine Entscheidung notwendig? Achten Sie bei der Recherche neben Ihren persönlichen Entscheidungskriterien wie Region, Unternehmensgröße etc. darauf, wie „gesund“ das Unternehmen ist. Aspekte wie Historie, Firmenkultur, Solvenz, Geschäftsfelder, Kundenstamm, Medienpräsenz etc. zählen dazu. Darüber hinaus bietet das Vorstellungsgespräch Gelegenheit, sich intensiv zu informieren. Stellen Sie nicht nur dem Personalverantwortlichen Ihre Fragen, sondern auch dem Mitarbeiter aus der Fachabteilung, in der Sie voraussichtlich arbeiten werden. Nutzen Sie darüber hinaus das zweite Gespräch, um weitere Wissenslücken zu füllen. Wie sieht Ihr potenzieller Arbeitsplatz aus? Wie wirkt das Arbeitsumfeld auf Sie?

Reinschnuppern ins Unternehmen

Sollten Sie danach noch Zweifel haben, hilft Ihnen vielleicht ein Schnuppertag im neuen Unternehmen, eine Entscheidung zu treffen. Dadurch lernen Sie die Kollegen, das Arbeitsumfeld und das operative Geschäft kennen. Je nach Vereinbarung und Tätigkeitsfeld können auch mehrere Tage der Hospitanz sinnvoll sein – nicht nur für Sie. Der zukünftige Arbeitgeber bekommt ebenfalls einen Einblick in Ihr Verhalten am Arbeitsplatz.

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